Statt mit Regen, kühlem Wind und einstelligen Temperaturen empfing Fischbachau die Besucher aus Castagnaro diesmal mit herrlichstem Wetter, strahlend blauem Himmel und mit sprichwörtlicher Wärme. Am Freitag, dem 19. Juni, trafen unsere Freunde aus Castagnaro um ca. 15:00 Uhr im Hotel Aurachhof ein, noch geschlaucht von der langen Reise, aber neugierig auf das kommende Wochenende. Mit großem Hallo wurden sie von Freunden und Mitgliedern des Freundeskreises Castagnaro begrüßt. Gemeinsam wartete man auf den Einmarsch der Musikkapelle Fischbachau, die mit großer Besetzung klangvoll anrückte. Schließlich feierte diese doch ihr 175-jähriges Bestehen. Zu diesem Zwecke war nördlich des Schwimmbadparkplatzes ein großes Bierzelt aufgebaut.
Dort hatte Christian Dehnert, unser Vorsitzender des Vereins „Freundeskreis Castagnaro e.V.“ vorsorglich für Castagnarofreunde und die italienischen Gäste Sitzplätze reservieren lassen. Vorstand Gasteiger und Dirigent Taubenberger begrüßten die Bierzeltbesucher, danach übergaben sie das Mikrophon Stefan Deingruber, dem Bürgermeister Fischbachaus. Auch er begrüßte alle zunächst allgemein, bat dann aber den Sindaco (Bürgermeister) Jonathan Modenese von Castagnaro, und Anna Rosa (zur Übersetzung) auf die Bühne und hieß sie herzlich willkommen. Endlich fand der heiß ersehnte Bieranstich statt. Gemeinsam stieß man auf die kommenden Feierlichkeiten statt. Im Laufe des Abends spielte die Musikkapelle auch einen „Freundschaftsmarsch“, der extra zum Besuch der Castagnaris arrangiert worden war, außerdem ein Potpourri mit verschiedensten italienischen Schlagern aus unterschiedlichen Epochen, was den Italienern sichtlich riesige Freude bereitete, denn sie standen auf, klatschten und sangen begeistert mit. So um 22:00 Uhr war es Zeit für den Aufbruch und die nächtliche Erholung im Aurachhotel.
Tags darauf traf man sich – warm angezogen – in Deisenried, um sich durch den dortigen Bergstollen von Bernhard Lidschreiber (Barbara-Verein Leitzachtal) führen zu lassen, Monika Birner übersetzt die Erläuterungen ins italienische. Beeindruckend waren z.B. die Metall-Abstützungen des Stollens, die durch die hohe Luftfeuchtigkeit schwitzten, die sehr informativen Schautafeln und die Originalmaschinen für die Bohrarbeiten. Entstanden im Jahr 1956 als Durchschlag zur dritten Sohle der Haushamer Grube, war der Wetterstollen Deisenried ab 1957 als wichtiger Belüftungsstollen im Einsatz. Gefördert wurde Pechkohle, die qualitativ zwischen Braunkohle und Steinkohle einzuordnen ist. Der Abbau geriet ab Anfang der 60er Jahre zunehmend unter Druck, denn das Rohöl wurde zunehmend konkurrenzlos preisgünstig. Nach der Schließung des Bergwerks 1966 verfiel der Stollen in einen Dornröschenschlaf und wurde 1977 verfüllt. Erst 2006 begannen die systematischen Instandsetzungen mit dem Ziel, das beeindruckende Bauwerk der Öffentlichkeit als Schaubergwerk zugänglich zu machen. Seit 2017 ist der Wetterstollen im Geotopkataster Bayern gelistet und konnte dank großzügiger EU-Fördermittel für Gäste aus nah und fern spannend und museal ausgebaut werden.
In der Wallfahrtskapelle Birkenstein erklärte Kurat Hans Schweiger – professionell auf italienisch – die Entstehungsgeschichte, die baulichen Besonderheiten und die umfangreiche Innenausstattung. Der Ursprung der Kapelle geht ja auf einen Traum zurück, den der Pfarrer Johann Stiglmaier von Fischbachau hatte. Während des Betens überkam ihn ein leichter Schlaf und die Mutter Gottes versprach: „Hier an diesem Ort will ich verehrt werden, und denen, die mich hier anrufen, meine Gnade mitteilen“.1673 wurde eine kleine Kapelle auf dem Stein errichtet, 1710 erfolgte der Neubau nach einem Modell des „Heiligen Hauses“ von Nazareth (Loreto- Kapelle). Der barocke Hochaltar wurde von dem berühmten Bildhauer Johann Baptist Straub geschaffen. Das Gnadenbildnis von Maria, der Königin mit dem Jesuskind auf dem Arm, ist von Engeln umgeben, alles erstrahlt von Gold und Silber – ein himmlisches, theatralisches Szenario. An der Decke gibt es detaillierte Malereien zu bewundern, die Szenen aus dem Leben der Heiligen Familie und Mariens darstellen. Eine umfangreiche Sammlung von Dankesbekundungen der Pilgern (Votivtafeln) aus den vergangenen Jahrhunderten sind innerhalb und außerhalb der Kapelle zu sehen.
Nach diesem geistlichen Teil war die weltliche Verköstigung im Kurpark Fischbachau dran. Monika, Rita und Christa hatten 60 mit Käse oder Schinken belegte Semmeln, Weintrauben, Kirschen, Äpfel und Getränke (Wasser, Bier und Fruchtsäfte) organisiert, die Italiener hatten ein Fässchen Weißwein gestiftet. Im Schatten der alten Bäume ließ sich gemütlich und entspannt picknicken. So manche Castagnaro-Freunde erinnerten sich an das Picknick voriges Jahr in Italien. Gäste und Einheimische erholten sich in bester Umgebung, wobei in Deutsch, Bayrisch und Italienisch geplauscht wurde.
Am Nachmittag stand dann die Kirchenführung in St. Martin Fischbachau an. Der Pauer Hans trug Entstehungs- und Baugeschichte, sowie Details der Innenausstattung und der Bedeutung von Gemälden und Skulpturen auf Deutsch vor, was sofort von Monika ins Italienische übersetzt wurde. Das Kloster war ursprünglich um 1080 von der Gräfin Haziga von Dießen in Bayrischzell gegründet worden, zog dann 1085 nach Fischbachau um, (wobei Hirsauer Benediktiner kamen) und 1104 auf den Petersberg bei Erdweg bei Dachau, bis es schließlich 1119 in Scheyern eine feste Bleibe fand. Die Fischbachauer Klosterkirche wurde während der relativ kurzen Zeit des Klosters dort errichtet. Die Vorgängerkirche brannte zusammen mit den übrigen Klostergebäuden 1492 ab, wurde jedoch wieder aufgebaut.[1] Die Kirche wurde ab 1628 barockisiert, wobei man zunächst an Stelle einer Seitenabside eine Sakristei anbaute. Um 1700 erhöhte man unter der Leitung von Johann Mayr d. Ä. die Hauptapsis, erbaute einen Turm östlich der Apsis und vergrößerte die Fenster. Ab 1733 erfolgte eine umfassende Umgestaltung mit dem Einbau einer Holztonne und der Ummantelung der Pfeiler. Um 1765 ergänzte man die Ausstattung. 1840 erste Gesamtrenovierung des Innenraums, 1856 Renovierung des Außenbaus, 1958 Renovierung und Reparaturen innen und außen. Weitere Reparaturen fanden in den Jahren 1978, 2008, 2011 statt. 2011 und 2012 folgte eine Komplettsanierung des Innenraums, während dieser Zeit fanden die Gottesdienste in der Friedhofskirche Mariä Schutz statt. Um die gute Akustik zu demonstrieren, sangen Maria und Gundi das Lied von Kathi Greinsberger:“Ist alles wohl bestellt“ und gemeinsam mit den italienischen Freunden das „Dona nobis pacem“von W. A Mozart. Weil u. a. das Dach der Mariä Schutzkirche gerade repariert wird, musste die dortige Führung entfallen. Wegen des tollen Wetters nutzten die Italiener den restlichen Nachmittag zum Baden im Schliersee, damit sie den weiteren Abend erholt genießen konnten. Der um 18:30 Uhr geplante Sternmarsch der Musikkapellen war ein voller Erfolg, spektakulär zogen die Elbacher von Marbach her, die Fischbachauer von Birkenstein und die Bayrischzeller von Sandbichl, alle mit verschiedenen Marschkompositionen. Gemeinsam spielten die drei Musikkapellen dann an der Kreuzung zwischen Kirche und Wirt den Defiliermarsch und die Bayernhymne. Anschließend machten sie sich gemeinsam auf den Weg zum Bierzelt. Die Italiener waren wieder einmal schwer beeindruckt von dem grandiosen Schauspiel. Im Bierzelt waren erneut Plätze reserviert, alle ließen sich das süffige Bier und die schmackhaften Brotzeiten und Speisen schmecken. Nach vielen Gesprächen verabschiedeten sich die Gäste und zogen sich in die Quartiere zurück. Am Sonntag trafen wir uns im Kurpark, wo nach und nach acht Musikkapellen mit unterschiedlichen Märschen eintrafen: die Fischbachauer, Elbacher, Niklasreuther, Bayrischzeller, Schlierseer, … und der Musikverein Miesbach. Pfarrer Josef Spitzhirn leitete den Festgottesdienst, die Musikkapelle Fischbachau unter der Leitung von Klaus Taubenberger spielte den Bläsersatz der Fischbachauer Messe von Kathi Greinsberger. Am Ende des Gottesdienstes intonierten alle Musikkapellen gemeinsam das Lied „Großer Gott, wir loben dich“ und die Bayernhymne. Die teilnehmenden Musikkapellen und Vereine stellten sich zu einem riesigen Festzug zusammen, der seinen Weg um das ehemalige Klostergebäude, nach Marbach und zurück nahm, was ca. eine Dreiviertelstunde beanspruchte. Wir mussten ja zum Mittagessen nach Elbach zum Sonnenkaiser, deshalb überbrückten die einen die Wartezeit bei Familie Dehnert, die anderen im Garten des Klosterstüberls. In Elbach angekommen, konnte man erfreulicherweise eine italienisch/deutsche Speisekarte lesen, die allerhand feine Gerichte anbot. Alle ließen sich die Speisen und Getränke schmecken. Die Bürgermeister und die Organisatoren aus Castagnaro und Fischbachau zogen sich an einen Nebentisch zurück und berieten die Sachlage für den nächsten Besuch der Fischbachauer in Castagnaro im Jahre 2027. Nach vielen weiteren Geprächen zwischen den Partnern verabschiedeten sich die Italiener mit Übergabe eines Geschenkkorbes, mit italienischen Köstlichkeiten und fuhren mit Ihren Bussen zurück nach Castagnaro. Ein ganz besonderes Danke Schön und Vergelts Gott unserem Vorsitzenden Christian Dehnert und allen, die so fleißig bei der Organisation dieser drei Besuchstage mitgewirkt haben.
Im Juli 2026 Hans Irger


